FAQ: Fragen und Antworten

1. - Ausgangslage und Organisation

Der Verkehr rund um den Bahnhof Brig stösst seit Jahren an seine Grenzen: Stau beim Dennerkreisel, gefährliche Situationen für Fussgänger/innen und Velofahrer/innen auf dem Briger Bahnhofsplatz durch MGBahn und Busse und fehlende Parkplätze zum Abholen und Bringen. Das Wachstum der Stadt und die Zunahme des Pendler- und Freizeitverkehrs führen Jahr für Jahr zu mehr Verkehr. Der Neubau des Spitals mit seinen 320 Betten und 1‘200 Arbeitsplätzen wird die Verkehrssituation zusätzlich verschärfen. 

Der Briger Bahnhofsplatz, Aushängeschild einer Stadt und Kristallisationspunkt der Stadtentwicklung, entspricht nicht mehr den Erwartungen von Bevölkerung und Reisenden. Die heutige Anbindung des Spitals an das Stadtzentrum für den Fuss- und Veloverkehr erfolgt über die verkehrsreiche Überlandstrasse oder die Spitalstrasse, eine städtische Brache.  

Ohne ein neues Verkehrskonzept kann Brig-Glis das Potenzial für die Oberwalliser Einkaufsmetropole nicht ausschöpfen, welches durch die wachsende Zahl von Reisenden und Besucher/innen des Spitals entsteht.  

Für die Stadtgemeinde Brig-Glis beinhaltet die Vorlage in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit aufgrund der COVID-19-Pandemie mehr als ein grosses Investitionsvolumen in der Höhe von 100 Mio. Franken:

Mehrwert 1: Der Bahnhofsplatz als zeitgemässes Eingangstor für Brig-Glis 

Der Bahnhofsplatz, Aushängeschild jeder Stadt, wird neugestaltet und zum attraktiven Eingangstor in die Oberwalliser Metropole. Der überdachte Bahn- und Busbahnhof von MGBahn, Postauto und Ortsbus macht das Umsteigen leichter und komfortabler. Durch die Entflechtung des Verkehrs wird der Bahnhofsplatz für Fuss- und Veloverkehr sicherer und zur auto- und busfreien Begegnungszone. Neue Kiss&Ride-Zonen erleichtern das Abholen und Bringen. 

Mehrwert 2: Die Lösung des Stauproblems  

Hauptursache des Verkehrsproblems rund um den Bahnhof Brig ist der Dennerkreisel. Durch die neue Verkehrsführung von Brig-Glis in Richtung Naters über die Umfahrungsstrasse kann der Rückstau bei geschlossener Bahnschranke der MGBahn verhindert werden. Für die zwei Drittel der Autofahrer/innen, welche aus Glis kommen, bedeutet dies keinen Zeitverlust.  

Mehrwert 3: Die Anbindung des neuen Spitals durch das Quartier Bahnhof West

Durch die Nordverlegung des MGBahn-Gleises wird die Spitalstrasse zur von Bäumen gesäumten Flaniermeile. Diese soll das neue Spital an den Bahnhof Brig und das historische Zentrum sowie die Rote Meile von Naters anbinden. Entlang der Spitalstrasse entsteht so ein urbanes Quartier mit modernen Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsflächen, das die Zentrumsfunktion von Brig-Glis stärkt. 

Mehrwert 4: Die Stärkung von Brig-Glis als Oberwalliser Metropole  

Der attraktive Bahnhofsplatz als Eingangstor in das historische Zentrum, die Lösung der Verkehrsprobleme rund um den Bahnhof und die Anbindung des Spitals durch das urbane Quartier Bahnhof West stärken Brig-Glis als Oberwalliser (Einkaufs-)Metropole. Je grösser das Angebot, desto attraktiver sind Städte fürs Shopping. Brig-Glis kann so das Potenzial durch die wachsende Zahl von Reisenden und die Besucher/innen des Spitals ausschöpfen. 

Mit dem Projekt wird die verkehrstechnische Anbindung des neuen Spitalzentrums Oberwallis mit seinen 1’200 Arbeitsplätzen und 320 Betten an den Bahnhof und das historische Zentrum sichergestellt. 

Fussgänger/innen und Velofahrer/innen gelangen auf einer von Bäumen gesäumten Flaniermeile entlang der heutigen Spitalstrasse vom Bahnhof zum Spital. Entlang dieser Flaniermeile entsteht ein urbanes Quartier mit attraktiven Wohn- Gewerbe- und Dienstleistungsflächen. 

Autofahrer/innen gelangen ab der Überlandstrasse via Landi-Kreuzung und Feldweg direkt ins neue Spitalparking. So wird sichergestellt, dass der Bahnhofraum und die Innenstadt nicht unnötig mit zusätzlichem Verkehr belastet werden.  

2. - Verworfene Varianten (Testplanung)

Grund dafür ist, dass die SBB im Jahr 2011 bekannt gab, dass sie die für den Hochbahnhof benötigten Gleise 1 und 2 aufgrund der stetigen Zunahme des Bahnverkehrs durch den Lötschberg-Basistunnel aus betrieblichen Gründen nicht freigeben kann. Aufgrund der engen Platzverhältnisse in Visp ist die SBB auf die Gleise in Brig für die zukünftige Kapazitätsplanung angewiesen. Durch diesen Entscheid der SBB musste die Planung komplett neu ausgerichtet werden. In der sogenannten Testplanung wurden über ein Dutzend Varianten untersucht und bezüglich der technischen und finanziellen Machbarkeit evaluiert.

  • MGBahn auf einem Viadukt (Brücke) über dem Bahnhofsplatz 

  • MGBahn auf einem Viadukt (Brücke) über den SBB- Gleisen 1+2 

  • MGBahn im Norden der SBB- Gleise (Rhonebahnhof) 

  • MGBahn im Hochbahnhof durch Verschiebung des SBB- Bahnhofgebäudes 

  • MGBahn im Hochbahnhof durch Verschiebung der SBB- Gleise 

  • MGBahn als unterirdischer Bahnhof unter dem Bahnhofsplatz  

  • MGBahn Bahnhof West (1. auf Viadukt, 2. à Niveau oder 3. an SBB-Damm) 

  • MGBahn Bahnhof Ost (1. auf Niveau Platz oder 2. auf Niveau SBB) 

  • Bestehende Situation à Niveau mit Fussgängerunterführung 

  • Bestehende Situation à Niveau mit Fussgängerüberführung 

  • Bestehende Situation à Niveau mit Ampel für Fussgänger zwischen Bahnhofsplatz und Bahnhofstrasse 

Das Bauwerk wäre technisch sehr aufwändig und mit grossen Mehrkosten verbunden. Das 900 Meter lange Viadukt würde den Bahnhof von der Stadt trennen und durch die durchfahrenden Züge käme es zu hohen Lärmemissionen im Stadtzentrum. Insbesondere für ältere und gehbehinderte Passagiere würde das Umsteigen zwischen SBB / BLS, MGBahn, Postauto und Ortsbus massiv erschwert.

In einer Distanz von 500 Metern besteht bereits der Tunnel der Umfahrungsstrasse H19. Die zwei Drittel der Autos, welche von Glis nach Naters fahren, können diesen Tunnel bereits heute ohne Zeitverlust nutzen. Der Bau eines zweiten Tunnels wäre vor diesem Hintergrund unverhältnismässig. Weder Bund noch Kanton würden sich an den immensen Kosten beteiligen, das heisst Brig-Glis müsste allein für die Kosten aufkommen. Des Weiteren wäre die angestrebte Zufahrt zum Busbahnhof und zum Bahnhofsparking aus Nordwesten nicht möglich. Die Umsetzung des Verkehrskonzept «Bahnhof Brig - Quartier Bahnhof West - Spital» sowie die sinnvollen Bebauungsmöglichkeiten des Quartiers Bahnhof West wären so nicht möglich.  

Aufgrund der Sicherheitsabstände zu den Fahrleitungen wäre ein sehr hohes Viadukt mit langen Zufahrtsbrücken / Rampen notwendig. Dieses aufwändige Bauwerk im Bereich von Fahrleitungen müsste unter Betrieb oder in Nachtarbeit gebaut werden. Die immensen Baukosten wären nicht finanzierbar.

Um den Zugang der MGBahn zum «Rhonebahnhof» sicherzustellen, müsste die MGBahn die SBB-Gleise über eine Brücke oder mit einem Tunnel queren. Die Kosten dieser Bauten (Brücke oder Tunnel) mitten im Gleisfeld der SBB wären viel zu hoch und könnten nicht finanziert werden.

Ein Verschieben des Bahnhofgebäudes in Richtung Stadt hätte den Bahnhofsplatz und somit das Eingangstor zur Stadt Brig mit dem historischen Zentrum zerstört.

Um Platz für die MGBahn-Gleise freizugeben, müsste das SBB-Gleisareal (inkl. Rangiergleisen etc.) komplett neu organisiert werden. Es hat sich gezeigt, dass eine Verschiebung der SBB-Gleise betrieblich nicht möglich ist. Die SBB kann aufgrund der gestiegenen Passagierzahlen keine Gleise freigeben.  

Der unterirdische MGBahn-Bahnhof, der rund 6 Meter unter dem Bahnhofsplatz liegen würde, wäre technisch nicht machbar, weil die MGBahn bei der Ausfahrt in Richtung Visp die Saltina queren muss. Weder die für die Querung notwendige Untertunnelung noch eine Brücke sind technisch möglich. Die Untertunnelung der Saltina ist nicht möglich, weil dort bereits der Tunnel der Umfahrungsstrasse H19 liegt. Eine hochwassersichere Brücke kann nicht gebaut werden, weil dann die Höhendifferenz zwischen der Brücke und dem unterirdischen Bahnhof so gross wäre, dass sie von der MGBahn selbst mit Zahnrad nicht überwunden werden könnte.

Die Umsteigewege zwischen allen Verkehrsträgern wären zu lang und die Anschlüsse für die Reisenden könnten nicht gewährleistet werden.

Die Fussgängerunterführung müsste rund 6 Meter unter dem Bahnhofsplatz durchgeführt werden und der Zugang (Treppe und behindertengerechte Rampe) würden weit in die Bahnhofstrasse reichen. Dies würde die schöne Bahnhofstrasse zerstören und die Geschäfte der unteren Bahnhofstrasse vom Fussgängerstrom abhängen. Erfahrungen in anderen Kleinstädten zeigen, dass Fussgängerunterführungen trotz Geschäftsflächen für Reisende unattraktiv sind und abends/nachts aufgrund von Sicherheitsproblemen gemieden werden.

Die Fussgängerüberführung wäre ein Hindernislauf für die Reisenden. Sie müssten von den SBB-Perrons auf den Bahnhofsplatz hinuntersteigen und dort wieder 6 Meter in die Höhe steigen, um dann über die Überführung in die Bahnhofstrasse zu gelangen. Aufgrund der Sicherheitsabstände zu den MGBahn-Fahrleitungen wäre die Überführung sehr aufwändig und teuer. Schliesslich sprachen auch städtebauliche Überlegungen gegen diese Variante, da der Bahnhofsplatz als Eingangstor durch die Präsenz des Bauwerks abgewertet wird.

Das Bundesamt für Verkehr hat diese Variante nicht akzeptiert, weil der Rückstau der Fussgänger bis auf das MGBahn-Gleis ein zu grosses Sicherheitsrisiko darstellt.

3. - Grünflächen und Umwelt

Durch den Klimawandel steigen die Durchschnittstemperaturen insbesondere in Städten. Seit Jahren ergreift die Stadtgemeinde systematisch Massnahmen gegen die Erwärmung: Beschattung von Plätzen und Strassen, Begrünung von Flächen oder Wahl von sickerfähigen Belägen. Auch rund um den Bahnhof wird mit neuen Baumreihen entlang der Flaniermeile durch das Quartier „Bahnhof West“ (Spitalstrasse), der Viktoriastrasse und einer zweiten Baumreihe beim Stadtbistro diese Politik weitergeführt. Weiter wirken neue Brunnen beim Stadtbistro und in der Flaniermeile, die hellen Natursteinplatten in der Begegnungszone, sickerfähige Bereiche auf der Flaniermeile und Biodiversitätsflächen auf der Nordseite der Baufelder gegen die Erwärmung der Stadt. Sitzbänke im Schatten der Bäume entlang der Flaniermeile laden zum Verweilen ein.

Mit dem Projekt wird die Innenstadt vom Verkehr entlastet: der Verkehr von Glis nach Naters wird neu über die Umfahrungsstrasse H19 geführt. Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der Viktoriastrasse und Tempo-20 bei der Begegnungszone Bahnhofplatz beruhigen den Verkehr und senken die Lärmbelastung. Durch den zusätzlichen Raum für den Langsamverkehr (neue Velo- und Fussgängerverbindungen, zusätzliche Velostellplätze) im Gebiet „Bahnhof Brig – Quartier Bahnhof West – Spital“ werden Anreize geschaffen, zu Fuss oder mit dem Velo in die Stadt oder zum Bahnhof zu gehen.

4. - Veränderungen/Auswirkungen

Durch die verbesserte Verkehrssituation und die Neugestaltung des Bahnhofsplatzes gewinnen die Quartiere rund um den Bahnhof als Wohnraum und Einkaufszentrum an Attraktivität.  

Der neugestaltete Bahnhofsplatz, Aushängeschild jeder Stadt, wird zum attraktiven Eingangstor in die Oberwalliser Einkaufsmetropole. Andere Städte wie Visp oder Sursee beweisen, dass grosszügige Geschäftsräumlichkeiten Ankermieter anziehen und die Innenstadt beleben. Je grösser das Angebot umso attraktiver sind Städte zum Einkaufen. Mit dem Quartier Bahnhof West erweitert Brig-Glis sein Angebot und erhält zusätzliche Attraktivität, indem es das historische Zentrum mit urbanem Chic verbindet. Die Furkastrasse wird durch eine Fussgängerverbindung direkt an den Bahnhof angebunden und ebenso aufgewertet wie die Viktoriastrasse, welche ein breites Trottoir und eine neue Baumreihe erhält. 

Bauen im städtischen Gebiet und ohne Unterbruch des Betriebs ist immer eine Herausforderung. Während der Bauphase sind Lärmemissionen unvermeidbar. Die Bauherrengemeinschaft und die Stadt Brig-Glis legen grossen Wert auf umfassende Massnahmen zur Reduktion von Lärmemissionen und zur sinnvollen Umleitung des Verkehrs. Die Bauzeit soll so kurz wie möglich gehalten werden.  

5. - Verkehrsplanung

Eine der Hauptursachen der heutigen Verkehrsprobleme ist der Dennerkreisel durch den Rückstau des Verkehrs von Brig-Glis nach Naters bei geschlossener Bahnschranke. Neu wird die Strasse nur noch einspurig von Naters in Richtung Brig-Glis befahrbar, wo genügend Stauraum zur Verfügung steht. Der Verkehr von Brig-Glis nach Naters wird via Spitalkreisel und Umfahrungsstrasse nach Naters geführt. Dies stellt für über zwei Drittel der Autofahrer/innen keinen grossen Umweg und Zeitverlust dar, da sie von Glis herkommen, wie Verkehrsmessungen zeigen. Im Notfall, bei einer Sperrung der Umfahrungstrasse, kann der Verkehr nach Naters wie bisher über den Dennerkreisel geführt werden. Zudem ist als langfristige Lösung eine Ostausfahrt Rhonesand – Umfahrungsstrasse H19 angedacht.

Neue Kiss&Ride-Zonen an der Nord- und Viktoriastrasse in Brig-Glis und auf der Nordseite des Bahnhofs (Seite Naters) erleichtern das Bringen und Abholen und entlasten den Bahnhofsplatz vom Autoverkehr. Die Zufahrt zu den Kiss&Ride-Zonen auf der Nordseite erfolgt über den Kreisel eingangs Naters, die Wegfahrt über die Umfahrungsstrasse. Die Park&Rail-Parkplätze bleiben bestehen und sind aber neu von Osten her über einen gesicherten Bahnübergang erreichbar.

Beim Fussgängerstreifen in der Viktoriastrasse kommt es während Stosszeiten häufig zu Staus. Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass eine Begegnungszone deutlich besser funktioniert als ein Fussgängerstreifen oder gar eine Ampel. Ein gutes Beispiel für eine funktionierende Begegnungszone ist die Place du Midi in Sitten. 

6. - Finanzierung

Gemäss der phasengerechten Kostenschätzung belaufen sich die Kosten für die Umsetzung des Verkehrskonzepts «Bahnhof Brig – Quartier Bahnhof West – Spital» auf 98.95 Mio. Franken.

Die Finanzierung wurde in langwierigen Verhandlungen zwischen den Projektpartnern ausgehandelt und festgelegt. Rund zwei Drittel der Gesamtprojektkosten (67 Mio. Franken) übernimmt der Bund via Bundesamt für Verkehr (BAV) und Bundesamt für Raumentwicklung (ARE). Der Kanton finanziert weitere 7 Mio. Franken. SBB/BLS, PostAuto Schweiz, die Gemeinde Naters und Dritte steuern zusammen 5.9 Mio. Franken bei. 

Brig-Glis hat einen Beitrag von 19.1 Mio. Franken zu leisten. Damit trägt die Stadt weniger als einen Fünftel. Das heisst mit knapp 20 Mio. Franken hat Brig-Glis die Chance, Investitionen von rund 100 Mio. Franken auszulösen und dies in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit durch die COVID-19-Pandemie.  

Wird die Vorlage am 13. Juni 2021 vom Brig-Gliser Stimmvolk angenommen, wird 2022 das Baugesuch beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Der Baubeginn ist für die 2. Hälfte 2024 und die Inbetriebnahme für Ende 2027 geplant.